„Wir müssen das Leid beim Namen nennen“ – Also Krieg?

22 04 2010

Was heißt das denn  dann, liebe Frau Bundeskanzlerin? Krieg oder nicht Krieg? Und wenn Krieg, warum befinden wir uns dann überhaupt im Afghanistan-Einsatz?

Fragen über Fragen, die meiner Meinung nach heute nicht gänzlich geklärt werden konnten. Es wurde zwar viel geredet, aber neue Erkenntnisse haben sich nicht ergeben.

Ich freue mich darüber, wenn die Kanzlerin sagt, dass „wir das Leid beim Namen nennen sollen“ (Bild.de). Damit sagt Sie mir und vielen anderen nichts anderes, als dass sich unsere Soldaten im Krieg befinden!

Eine „ kriegsähnlicher Zustand “, von dem auch schon einmal gesprochen wurde, gibt es für mich nicht.

Mittlerweile sind es immerhin schon knapp neun Jahre die der Einsatz andauert. 2001 begann das Mandat mit 1200 Soldaten. Jetzt können bis zu 5350 entsandt werden!

(Quelle: http://www.tagesschau.de)

Das für mich interessante dabei ist: Die 280 Soldaten, die ausschließlich für die Ausbildung der einheimischen Sicherheitskräfte vorgesehen waren, werden auf 1400 aufgestockt. Da muss die überspitzte Frage erlaubt sein, wie „unfähig“ die afghanischen Sicherheitskräfte wohl sein müssen? Oder anders: Für wie dumm werden wir eigentlich verkauft?

Zudem geht es bei dem Einsatz um den „zivilen Wiederaufbau“.

Auch wenn ich kein Freund der Linkspartei bin, muss ich in einem Punkt Gregor Gysi zustimmen: „Ziviler Aufbau in Afghanistan geht nur ohne Waffen“. Wie auch sonst? Mit Waffengewalt offensichtlich nicht…

Auch ein Kampf gegen den Terrorismus ist für mich nicht erkennbar. Und vor allem, was soll das überhaupt bedeuten, Kampf gegen den Terrorismus? Sind die Afghanen denn allein dafür verantwortlich, dass es Terrorismus in der Welt gibt?

Die Konsequenz darf dann nicht sein, dass sich deutsche Soldaten in allen Ländern befinden, in denen wir Gefahr wittern, und dann von „kriegsähnlichen Zuständen“ sprechen müssen.

Aber wenn sich noch nicht einmal die Regierung darüber einig ist, ob es Krieg oder kein Krieg ist, dann kann uns vorerst auch keiner weiterhelfen. Der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg spricht nämlich von “Krieg“ . Für Außenminister Guido Westerwelle sei Krieg,  „traditionell eine militärische Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehr Staaten mit der Absicht der Eroberung oder Unterdrückung“ (Bild am Sonntag). Dies sei in Afghanistan erkennbar nicht der Fall. Wenn dies so erkennbar für ihn ist, dann soll er das auch verdeutlichen.  Die aktuelle Berichterstattung sagt mir persönlich etwas anderes.

Wie, wann und ob es einen Rückzug auf Afghanistan geben wird, wurde auch nicht beantwortet.

Dass die deutschen Einsatztruppen jetzt nicht mehr einfach so aus Afghanistan abziehen können, sollte klar sein. Das sollte auch die Linkspartei einsehen, die mit viel Polemik dafür sorgt, dass der Abzug überhaupt nicht zu einem ernsten Thema wird. Deutschland ist schon zu sehr in den Konflikt involviert als, dass man jetzt die Soldaten da „von jetzt auf gleich“ abziehen könnte. Man würde das pure Chaos hinterlassen. Aber eine Perspektive für den Einsatz ist auch nicht zu erkennen. Denn es gibt einfach kein ersichtliches Ziel welches es noch zu erreichen gibt.

Auch Frau Merkel kann dies nicht beantworten. Sie sagt zwar, dass der Einsatz nicht „auf Dauer eingestellt“ sei, aber das war es dann auch. Auch die SPD fordert ein konkretes Abzugsdatum. 2015 soll es so sein. Und was soll das dann bedeuten? Was ist denn, wenn die Zustände dann die gleichen sind oder sogar schlimmer? Dann geht es trotzdem für alle nach Hause? So nach dem Motto: Mission gescheitert – vielleicht schaffen die es ja alleine.

Ich bin gespannt wie sich der Afghanistan-Einsatz in den nächsten Jahren entwickelt. Es würde mich allerdings auch interessieren, was ihr dazu sagt.

Also in diesem Sinne – Mediatrotter.

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9 responses

22 04 2010
Tim

Das Kind wurde hier ganz deutlich beim Namen genannt!

Wer die Rede von unserer Bundeskanzlerin aufmerksam verfolgt hat, der wird, entgegen der in deinem Artikel geäußerten Sichtweise, sehr wohl erkannt haben, dass die Bundesregierung eine eindeutige sprachliche Bewertung der Situation in Afghanistan vorgenommen hat.
Der Afghanistan-Einsatz ist aus juristischer Sicht eindeutig ein internationaler bewaffneter Konflikt im Sinne des Völkerrechts. Daran besteht innerhalb der Bundesregierung Konkordanz (Siehe hierzu Regierungserklärung von Dr. Angela Merkel vom 22.04.2010 sowie Rede von Dr. Gudio Westerwelle vor dem Deutschen Bundestag zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr am 10.02.2010).
Demnach ist deine Aussagen, dass die Regierung „sich noch nicht einmal [..]darüber einig ist, ob es Krieg ist oder kein Krieg ist[..]“ falsch.
Darüber hinaus erscheint es mir notwendig, auf die vollständigen Aussagen der jeweiligen geistigen Urheber eben dieser hinzuweisen.
Zweifelsohne hat Karl-Theodor zu Guttenberg in dem von dir zitierten Artikel gesagt, dass man „[..]angesichts dessen, was sich in Teilen Afghanistans abspielt, umgangssprachlich von Krieg reden“ kann. Aber hier entscheiden wie so oft die Feinheiten. Entscheidend ist, dass Karl-Theodor zu Guttenberg, Angela Merkel sowie die ganze Bundesregierung zwischen der juristischen Sichtweise und der nicht fachlich unterlegten Sichtweise der Bürgerinnen und Bürger unterscheiden. Und das ist für mich auch genau richtig.
Während die juristische Beurteilung einer solchen Situation aus politischen und völkerrechtlichen Gründen von unabdingbarer Bedeutung ist, ist der juristische Sprachgebrauch für die Perzeption der Staatsbürger und Soldaten uninteressant. Immer wenn militärische Einheiten Waffen einsetzen und Soldaten sowie andere Menschen durch Waffen getötet werden, wird umgangssprachlich von Krieg oder kriegsähnlichen Zuständen gesprochen. Das bedeutet der Bürger empfindet die Situation in Afghanistan evident als Krieg. Und das ist auch gut so. Denn mit der Bezeichnung eines internationaler bewaffneten Konfliktes besteht die Gefahr, dass Teile der Bevölkerung oder Einzelne die Situation verharmlosen. Und dieses würde die Reputation der Soldatinnen und Soldaten gefährden und darüber hinaus demoralisierende Folgen entwickeln können.
Aus diesem Grund unterscheidet die Bundesregierung folgerichtig zwischen der umgangssprachlichen und juristischen Bezeichnung. Hierdurch wird zum einen die nötige Rechtssicherheit gewahrt und zum anderen wird die Bevölkerung mit der für sie empfundenen Wirklichkeit konfrontiert. Und die sieht nun einmal so aus, dass die Bundeswehr sich in Afghanistan formal in einem bewaffneten Konflikt befindet und dennoch mit den schrecklichen psychischen und physischen Folgen eines Krieges zu kämpfen hat.

So long,
Tim

24 04 2010
Mediatrotter

Sehr ausführlich und sehr politisch. Dann haben wir ja jetzt den „Kriegsbegriff“ geklärt. Dennoch finde ich es unpassend, wenn er sagt, dass „Auch wenn es nicht jedem gefällt, so kann man angesichts dessen, was sich in Teilen Afghanistans abspielt, umgangssprachlich von Krieg reden“. Dann bringt mich deine Argumentation kein Stück weiter.
Und auf die Frage, warum es deutsche Einsatzkräfte in Afghanistan gibt bist du nicht eingegangen. Wenn es im Sinne des Völkerrechts ist, dann versuch mir doch bitte zu erklären, warum wir dann da sein müssen?
Und was ist denn jetzt das Ende vom Lied? Wann und ob wir aus Afghanistan wieder zurückkommen bleibt nach wie vor offen.

22 04 2010
teischla

KRIEG. Ein anderes Wort darf man nicht verwenden, um die Situation dort vor Ort zu beschreiben. Das auch aus Respekt vor den Soldaten, die sich doch auch ver**** fühlen. Sie werden beschossen, sterben und töten. Sie halten ihren Hintern jeden Tag hin, haben angst um ihr Leben, beinah jeden Tag verbringen die Jungs da unten in den Bunkern und bei jeder Tour muss mann Angst haben gleich erschossen zu werden. Das ist Krieg.
Und dieser Krieg wird niemals beendet sein, weil man seinen Feind ja gar nicht sieht. Du hast ja in diesem Sinne keinen Gegner den du gezielt „bearbeiten“ kannst. Am Ende wird der gewinnen, der den längeren Atem hat. Und den, haben nich wir, denn jeder weitere Soldat der stirbt erhöht den Druck endlich abzuziehen.

22 04 2010
sjunghanns

In Afghanistan wird nie Frieden herrschen, bevor die Amerikaner nicht abgezogen und die Terroristen alle samt ausgelöscht sind. Gerade, weil die Amerikaner im Zuge ihrer Anti-al-Qaida-Mission 1996 die kriegsähnlichen Zustände erst ausgelöst haben, werden die Terroristen ihre Anschläge nicht eher stoppen, bevor die Amis weg sind. Und umgedreht werden die Amis nicht eher Afghanistan verlassen, bevor die Terroristen alle tot sind. So dumm das auch klingt, hätte man lieber mit einer Großoffensive das gesamte Land von den al-Qaidas befreien sollen, ehe man über Jahrzehnte lang immer wieder versucht, kleine Erfolge zu erzielen (und dabei stetig Soldaten verliert). Einfach alles mobilisieren, wenn nötig die ganzen Berge und Schluchten ausbombadieren, und dann zuschlagen. So wäre man schneller zum Erfolg gekommen und hätte das Land wieder den dort lebenden Zivilisten überlassen können. Aber nein, ziehen die Amis lieber noch ein paar andere Nationen mit ins Visier der Terroristen. Vorne mit dabei, wie sollte es auch anders sein: natürlich Deutschland. „Die alten Rassisten haben ja durch den 1+2 Weltkrieg eh noch was gut zu machen“, also beziehen wir die gleich mit ein. Und naja, die Bundesregierung (besonders Merkel) stimmt ja scheinbar in diesem Punkt sowieso zu, also schön parrieren, wenn Amerika ruft. Meiner Meinung nach haben unsere Soldaten in Afghanistan jedoch nichts zu suchen. Sollen die Amis doch ihr eigenes Ding durchziehen und den Krieg beenden, den sie begonnen haben… Gleichzeitig sollte die Bundesregierung auch langsam mal anfangen, sich über das eigene Land Gedanken zu machen . Wieviele Milliarden durch sinnlose Friedensmission schon in den Wind geblasen wurden (mal ganz abgesehen von den Opfern). Und ich möchte gerne mal wissen, was Deutschland von anderen Nationen für Hilfe erfährt, wenn bei uns mal Not am Mann ist. (So wie zum Hochwasser in Dresden…) Ja, und wenn wir schonmal dabei sind, sollte sich die Bundesregierung auch gleich mal darüber Gedanken machen, wieso wir Griechenland fast im Alleingang aus der Kriese helfen sollen. Mit welcher Begründung denn? Es gibt doch noch genug andere wirtschaftlich-starke Nationen in der EU!!! Haben wir denn wirklich noch was von den Missetaten unserer Vorfahren gut zu machen? Oder wird Deutschland eiskalt ausgenutzt (und ist so naiv, das zuzulassen?) Aber naja, schon ok, gebt den ruhig ein paar Milliarden ab, wir habens ja… können die Deutschen ja einfach ein paar Jahre später in Rente gehen, damit die Griechen ihr schönes Leben weiter führen können. Im endeffekt amüsieren sie sich doch darüber… Aber naja, das ist ein anderes Thema…

26 04 2010
jona

@tim
Jürgen Trittin fasst es in einem einfachen Satz zusammen:” Die Verwendung des Wortes “Krieg” ist immer umgangssprachlich und nie völkerrechtlich.”
Aber geht es hier um die Frage des Begriffes?

Offiziell handelt es sich bei dem Afghanistaneinsatz um einen Antiterroreinsatz. Die Soldaten sollen Deutschland verteidigen, es geht um die Verhinderung terroristischer Attentate. Wer ist so naiv und lässt sich mit der Erklärung abspeisen?
Nicht nur ich, sondern mit Sicherheit die Mehrheit der Bundesbürger fragt sich: Warum sind wir in Afghanistan? Diese Frage bleibt weiterhin offen und ich habe noch keine Erklärung darüber gefunden.
Wurden wir von den Afghanen oder Taliban angegriffen? Wurde es die USA? Hier fehlt doch wohl die völkerrechtliche Legitimation. Amerika verfolgt bei dem Einsatz eigene Interessen und wir spielen mit.
Es ist Amerikas Krieg. Obama: “Afghanistan sei das Epizentrum des gewaltigen Extremismus, wie in al Kaida praktiziert.” Die Sicherheit der Vereinigten Staaten und des amerikanischen Volkes stünden auf dem Spiel. Das stimmte schon beim Irak Einsatz nicht.Es gibt keinen Beweis, dass beim Anschlag 9/11 Afghanen unter den Tätern waren. Es gibt auch keinen eindeutigen Beweis, dass Bin Laden oder al-Kaida für die Anschläge verantwortlich gewesen sind, auch wenn das immer wieder verkündet wurde.
Zitat des amerikanischen Generals Stanley McChristal: “Ich habe keine Hinweise darauf, dass al- Kaida derzeit in Afghanistan eine größere Präsenz hat.”
Wo ist nun der völkerrechtliche Kriegsgrund? Amerika mag seine eigenen Gründe für Krieg haben, aber müssen wir uns da mit hineinziehen lassen? Und was passiert als Nächstes? Wo wittert Amerika wieder “Gefahr”? Wo ist also unser nächster Einsatz?
Die Frage nach dem Hintergrund des deutschen Einsatzes möchte ich einleuchtend und logisch erklärt haben.

26 04 2010
Tim

Die zunehmend ablehnende Haltung gegenüber der Intervention in Afghanistan ist angesichts der steigenden Kosten und der jüngsten Opfer verständlich.
Versuchen wir also zu ergründen warum Deutsche Bundeswehrsoldaten im Auftrag der Internationalen Gemeinschaft intervenieren.

Das Land Afghanistan ist bereits seit langer Zeit als äußerst instabil anzusehen. Diese politische Instabilität führte dazu, dass die radikal islamistische Taliban in Afghanistan eine Gewaltherrschaft aufbauen konnte. Infolgedessen kam es im Land selbst zu massiven Menschenrechtsverletzungen.
Darüber hinaus entwickelte sich dort ein Zentrum für den Internationalen Terrorismus. Die Taliban unterstützte verschiedenen Terrororganisationen, darunter auch Al-Qaida.
Dieses war bereits vor den Anschlägen vom 11. September 2001 bekannt.
Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 rückte dieser Umstand jedoch erst in den Fokus der Öffentlichkeit.
Auf Grund der Angriffe vom 11. September 2001 wurden durch den UN-Sicherheitsrat unzählige Resolutionen verabschiedet.
Diese führten schließlich dazu, dass die USA im Rahmen der Operation Enduring Freedom von ihrem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch machten und in Afghanistan gegen die dortige Gewaltherrschaft der Taliban militärisch intervenierte. Ferner wurde eine Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) eingerichtet, welche unter Führung der NATO in Afghanistan fortwährend für Frieden sorgen soll.
Zu keinem Zeitpunkt erfolgte hier ein Alleingang der USA wie beispielsweise im Irak. Das Recht auf Selbstverteidigung wurde durch den UN-Sicherheitsrat in den Resolutionen anerkannt. Die ISAF wurde durch die internationale Gemeinschaft eingerichtet und ebenfalls durch eine Resolution des UN-Sicherheitsrates genehmigt.
Obwohl es bezüglich der völkerrechtlichen Legitimation (dieses sind insbesondere juristische Feinheiten) durchaus kritische Stimmen gibt, wurde die völkerrechtliche Legitimation durch die Internationale Gemeinschaft zu keinem Zeitpunkt bezweifelt. Ergo ist die Interventionen ohne Wenn und Aber in Afghanistan völkerrechtlich legitimiert.

Jona, durch deine Ausführungen stellst du die Entscheidungen der Vereinten Nationen und somit der Internationalen Gemeinschaft in Frage. Das ist nicht falsch und dein gutes Recht. ABER: Jeder der dieses tut; der sollte sich nicht vergessen, dass die Vereinten Nationen und der damit verbundene friedliche Zusammenschluss unzähliger, in der Vergangenheit oft verfeindeter, Nationen das Fundament unser heutigen weitgehend friedlichen Welt sind.

Deine Sichtweise bezüglich der hegemonialen Interessen der USA scheint mir im Bezug auf den Afghanistan-Einsatz nicht sehr objektiv. Während das im Irak oder sonst wo durchaus zutreffend sein mag, ist der Einsatz in Afghanistan auf Ersuchen der Internationalen Gemeinschaft und nicht auf einen Alleingang der USA begründet.

Aber warum geht Deutschland diesen Weg mit?
Ganz einfach: Weil Deutschland seine äußere Souveränität an unterschiedliche inter- und supranationaler Organisationen abgegeben hat. Deutschland ist Mitglied der NATO und Mitglied der UN. Und wenn diese Organisationen mehrheitlich ein Intervenieren in Afghanistan beschließen, ist es im Interesse Deutschlands, dass wir uns dort beteiligen.
Die Deutsche Vergangenheit und das Deutsche Interesse gebietet es sogar, dass wir uns nie wieder von unseren Partner innerhalb der NATO, der Europäischen Union oder der UN isolieren!!
Einen Abzug aus Afghanistan darf es nur mit unseren Bündnispartner geben. Alles andere wäre falsch und hätte International fatale Folgen.

Wie geht es weiter?
Nur durch eine zivile und politisch gefestigte Infrastruktur kann eine erneute Machtübernahme durch extremistische Organisationen verhindert werden.
Folglich sollte der zivile Wiederaufbau im Vordergrund stehen.
Gleichwohl wird dieses ohne militärische Unterstützung nicht gelingen. Die Taliban und andere extremistische Organisationen haben erhebliches Interesse an Afghanistan. Sie verfolgen dort ganz andere Ziele als die Internationale Gemeinschaft und sie werden von ihrem Vorhaben nicht abrücken, wenn die ISAF Schutztruppe morgen plötzlich das Land verlässt. Jeder der Gegenteiliges behauptet, ist naiv.

Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass es in Afghanistan nicht darum geht, den Afghanen unsere Lebensweise oder unser Wertesystem aufzuzwingen. Sie sollen durchaus ihren eigenen Weg finden und selbst entscheiden welchen Weg sie für richtig halten. Aber dazu müssen sie auch in der Lage sein. Und in der jetzigen Situationen ist Afghanistan nicht in der Lage sich gegen gewaltbereite extremistische Organisationen zu schützen. Solange wie die Sicherheit in Afghanistan nicht gewährleistet ist, darf sich die Internationale Gemeinschaft nicht aus Afghanistan zurückziehen.
Ganz gleich ob es 5, 10 oder 15 Jahre dauert.

28 04 2010
jona

Obama spricht von der Notwendigkeit des Krieges. Auch in Deutschland wird mit dem “Krieg gegen den Terror” Angst geschürt, um immer schärfere Sicherheitsgesetze durchzusetzen.
Aber Terroristen kommen nicht nur aus Afghanistan. Der BND geht inzwischen von einer weltweit verzweigten „Terroristenfamilie“, mit gestärktem Kampfgeist und hoher Geburtenrate aus.
Schüren wir mit diesen Einsätzen nicht noch mehr den Hass islamischer Fundamentalisten gegen die westliche Welt? Müssen wir so nicht erst recht mit Anschlägen rechnen? Sicher muss man gegen internationalen Terrorismus vorgehen, aber braucht man dazu einen Krieg wie jetzt?

Ist dieser Krieg denn zu gewinnen? Ist es wahrscheinlich, dass Afghanistan ein funktionstüchtiger Staat wird? Er war es noch nie dauerhaft. Und alleine durch die Vielzahl von Völkern und Stämmen ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass es sich zu einem funktiontüchtigen Staat entwickelt. Betrachtet man die gesellschaftlichen Strukturen in Afghanistan, kann bereits in der Vielfalt der kulturellen Identitäten ein Hindernis für die Ausbildung einer nationalen Identität erblickt werden. Die kulturelle Mannigfaltigkeit ist enorm: So wurden über 40 verschiedene Sprachen nachgewiesen. Dazu kommt eine Vielzahl ethnischen Gruppen. Hier schwankt die Zahl zwischen 50 und 200. Selbst der Islam, dem ungefähr 99 Prozent der Afghanen angehören, stellt keine einigende Klammer dar, sondern ist durch eine Vielzahl an Strömungen und Eigenheiten gekennzeichnet.
Die Politik des neuen Afghanistans unter Karzais Führung baut darauf auf, die verschiedenen Interessengruppen zu integrieren. Das mag sich gut anhören, aber ist es realisierbar?
Es wird über den allmählichen Rückzug der Truppen gesprochen. Karzai selber bekräftigte, sein Land wolle bis 2015 selbst in der Lage sein, für seine Sicherheit und Stabilität zu sorgen. Ich bezweifel, dass das in fünf Jahren geschehen sein soll.
Ist das nicht Augenwischerei? Versucht man einfach die Leute zu beruhigen obwohl man schon weiss, dass der Einsatz wesentlich länger dauern wird?

Was hat man bisher gewonnen (unter Berücksichtigung des offiziellen Grundes)? Weder wurde Bin Laden ( keiner weiss ob er überhaupt noch lebt) gefunden, noch die Taliban vernichtet. Davon abgesehen, der Terrorismus funktioniert auch ohne Bin Laden. Für die Zivilbevölkerung gibt es weder Frieden, Sicherheit noch Demokratie. Aber es gibt weiterhin Tod, Chaos und auch der Drogenhandel blüht weiter.
Tim, um auf Deinen Satz einzugehen: “Nur durch eine zivile und politisch gefestigte Infrastruktur kann eine erneute Machtübernahme durch extremistische Organisationen verhindert werden.” Das ist sicher richtig, aber wie lange soll das dauern? Dann sollte man jetzt nicht von Rückzugsplänen sprechen.

Natürlich ist es verständlich, dass die Mehrheit der Deutschen gegen die Beteiligung der Bundeswehr am UN-Einsatz in Afghanistan ist. Und ich vermute, dass diese Zahlen nicht weniger werden. Man sieht eben auch die enormen Kosten dieser Mission. Jetzt kommt die Unterstützung Griechenlands dazu. Es wird gekürzt, jeder soll sparen. Viele Kommunen sind verschuldet, Straßen können nicht repariert werden, sogar Schwimmbäder sollen geschlossen werden usw. Wie soll da auch Verständnis aufkommen?

29 04 2010
Mediatrotter

Ich hätte es nicht besser kommentieren können.
In der Tat ist mein Bericht nicht zu eindeutig gewesen, was aber nicht an der mangelnden Recherche lag, sondern einfach an meiner eigenen Meinung zu dem Thema.

Zudem hatte ich die Frage zur Diskussion gestellt, was auch durchaus passiert ist. In jedem Fall muss ich Jona voll und ganz zustimmen und bin froh, dass Er/Sie (entschuldige) es so auf den Punkt gebracht hat.

@Tim: ich hatte dir schon auf den ersten Kommentar gesagt, dass du mir damit eigentlich „nichts“ gesagt hast. Dennoch hast du natürlich Recht mit deinem zweiten gehabt. Klar kann Deutschland nicht ohne weiteres abziehen. Aber das habe ich auch nicht gesagt. Mir fehlt aber die Alternative, ein Lösungsvorschlag.

Und wenn du sagst,

Die Deutsche Vergangenheit und das Deutsche Interesse gebietet es sogar, dass wir uns nie wieder von unseren Partner innerhalb der NATO, der Europäischen Union oder der UN isolieren!!
Einen Abzug aus Afghanistan darf es nur mit unseren Bündnispartner geben. Alles andere wäre falsch und hätte International fatale Folgen.

dann kann ich dir da auch nicht zustimmen. Denn, wir müssen nicht alles tun, was unsere Bündnisparner von uns verlangen.

7 05 2010
Tim

Jona, du beschreibst in deinem letzten Post das Problem sehr treffend. Die Situation in Afghanistan ist kompliziert. Ob es jemals gelingen wird oder nicht, kann kein Mensch voraussagen. Wir Deutschen, als Teil der Internationalen Gemeinschaft, können nur versuchen unseren Teil zur Lösung des Problems beizutragen.

Betr. Mediatrotter
Meine Aussage ist vielleicht falsch angekommen. Das Wort isolieren impliziert nicht, dass wir alles tun müssen was unsere Bündnispartner von uns verlangen. Es besagt vielmehr, dass wir einen Standpunkt nicht für uns alleine betrachten dürfen.
Alles andere, da gebe ich dir recht, wäre blinder Gehorsam und würde darüber hinaus mit den Grundzügen unserer Verfassung meines Erachtens schwer in Einklang zu bringen sein.
Entscheidend ist nur, dass wir die Internationale Gemeinschaft als Ganzes bei unseren Überlegungen nicht getrennt betrachten dürfen. Darüber hinaus darf die Souveränität Deutschlands nicht vollends außer Kraft gesetzt werden.

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