The games must go on

19 02 2010

Olympia

Die Maschinerie Olympia läuft bereits seit einer Woche auf Hochtouren. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht von neuen Superlativen aus Vancouver hört. Es geht um viel – vor allem um Erfolge, und das um jeden Preis.

Die Olympische Bewegung lebt nach dem Motto: Citius, altius, fortius – „schneller, höher, stärker“.

Das gilt nicht nur für die aktuelle Olympiade, sondern für alle Olympischen Spiele.

Höher, schneller, stärker – Tod? Wie teuer darf eine Olympische Medaille eigentlich sein, und wer bestimmt den Preis der dafür bezahlt werden muss?

Fest steht bereits nach einer Woche: Ein junger Rodler ist nach einem schweren Unfall in der Rodelbahn bei Whistler gestorben. Viele weitere kamen auf Grund der schnellen Piste ebenfalls nicht im Schlitten am Ziel an. Das Abfahrtrennen der Frauen am Mount Whistler forderte sieben schwere Stürze – zwei Gehirnerschütterungen, ein Kreuzbandriss und starke Prellungen waren die Folge.

Das IOC (Internationales Olympisches Komitee), welches die Spiele organisiert und für diese verantwortlich ist, weist jede Schuld von sich. Handelt es sich also um eine Verkettung von unglücklichen Ereignissen oder werden bei einem solchen Megaevent,wie es die Olympischen Spielen sind, die Grenzen des Machbaren zu weit ausgeschöpft?

Das Kräftemessen bei einer Olympiade ist wohl für jeden Sportler das absolute Highlight in seiner Karriere. Hierauf bereiten sie sich über Jahre hinweg vor, viele von ihnen betreiben ihren Sport nur für dieses eine Ziel.

Die Vorfreude auf dieses Event ist also dementsprechend groß – nicht nur für die Sportler. Mit der Olympiade wird Geld verdient. Sehr viel Geld. Dass es dabei Kollateralschäden geben kann, wird offensichtlich billigend in Kauf genommen. Das hat der Tod des 21-jährigen Georgier Nodar Kumaritaschwili gezeigt.

Auf einer Rodelbahn, die für 137 km/h geplant und gebaut wurde, raste er mit 144,3 km/h in die letzte Kurve und verunglückte tödlich indem er aus der Bahn geschleudert, und an einen Stahlträger prallte. Dass ein Rodler aus der Bahn geworfen wurde, hat es in der Geschichte noch nie gegeben. Der Unfall ereignete sich wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier. Die Reaktion der Verantwortlichen auf diesen tragischen Vorfall war seiner würdig und angemessen. Beim Einlaufen der Nationen trugen die Sportler Trauerflor, die Fahnen hingen auf Halbmast. Die Feier wurde dem Verstorbenen gewidmet.

Die Ernüchterung kam dann wenig später, als der Welt-Rodelverband verlauten ließen, dass dem Unfall ein Fahrfehler vorausging. Die Piste sei in Ordnung und nicht Schuld an diesem tragischen Vorfall. Deshalb gebe es auch keine Überlegungen den Wettbewerb zu verschieben oder gar ausfallen zu lassen. „The games must go on“, daran besteht kein Zweifel. Aber ein Schuldeingeständnis war das mit Sicherheit nicht. Darf es auch nicht geben. So sind die Regeln. Ein Eingeständnis hätte folgenschwere Konsequenzen, nicht nur für das IOC, dem eine ungeahnte Menge Geld entgehen würde. Sportler, die sich jahrelang auf die Olympischen Spiele vorbereitet haben, könnten nicht mehr an den Start gehen. Deshalb halten diese sich auch bedeckt. Der späterer Olympiasieger auf dieser Bahn, Felix Loch meinte, dass so ein Unglück passieren könne. Allerdings sei es die richtige Entscheidung gewesen, den Männerstart auf den Damenstart runter zu setzen. Der Damenstart wurde dementsprechend auch herunter gesetzt – auf den Juniorenstart.

Eine ungewöhnliche Maßnahme der Verantwortlichen, die sich keiner Schuld bewusst sind und dennoch die Sportler von weiter unten starten lassen, damit nicht mehr so hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Der aktuelle Pistenrekord, aufgestellt vom Österreicher Manuel Pfister, liegt übrigens bei 154 km/h.

Darf es soweit kommen, dass ein Fahrfehler bei einem Wettkampf über Leben oder Tod entscheidet?

Anderer Sport – gleiches Problem

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